"Sie wohnen heute einem historischen Ereignis bei", so Günter Hellstern, Leiter der Uni Bigband, denn noch nie hat es seit Bestehen des Jazzchors der Hochschule Karlsruhe (ehemals FH) mit der Uni Bigband Karlsruhe ein Gemeinschaftskonzert gegeben. Dabei ergänzen sich die beiden Gruppen musikalisch hervorragend: In der Hochschulaula an der Moltkestraße positionieren sich gut 40 Sängerinnen und Sänger der „vocal resources“ unter der Leitung von Friedrich W. Möller im hinteren Teil der Bühne, thronen über der vorderen Spielfläche, wo eine Kombo aus Bigband-Mitgliedern dezente Instrumental-Begleitung für die Eröffnungsstücke "Don't Get Around Much Anymore" und "I've Got You Under My Skin" liefert. Der Sound ist üppig, leicht hallig abgemischt und erinnert an kultige (und heute als unmodern abgestempelte) Fernsehshows der 60er und 70er-Jahre – nur das Fernsehballett fehlt. Doch die „vocal resources“ liefern auch einiges für's Auge: Choreografierte Bewegungen wandern entweder laola-artig von einer Stimmlage zur anderen oder alle nehmen dieselbe Haltung ein - "Jazzhands" inklusive. Das fast dreistündige, aber kurzweilige Programm der zwei Gruppen ist vor und nach der Pause geschickt gedrittelt: Erst Chor mit Kombo, dann Chor a capella, dann BigBand. In der zweiten Hälfte wirken allerdings alle Mitwirkenden naturgemäß entspannter, Nervosität und Gehetztheit wie im '80s-Knaller-Stück "Pressure Down" in einer A-Capella-Fassung machen sich weniger bemerkbar. Bescheiden erklärt Friedrich Möller, dass man a capella singen muss, um bei Wettbewerben zu bestehen, lässt aber eigene Erfolge unerwähnt. Als eine Art „Dolby-Surround-Chor“ mit gedimmtem Licht präsentieren sich die "resources" dann im ganzen Saal verteilt mit Leonard Cohens "Hallelujah", was erst andächtige Stille und dann hoch anerkennenden Applaus hervorruft. Gewohnt solide dann die Bigband der Uni: Ob Pat Metheny mit fulminantem Sax-Solo von Regina Fischer, Piano-Improvisation von Uli Kaage oder selbstgeschriebener Latin-Groove (einfach gut: "Reflexâo da lua") mit Sängerin Marianne Martin – das hat Pepp! Volle Konzentration ist beim 5/4-Takt mit Stan Kentons "Decoupage" und mit dem Arrangement der Phil-Collins-Big-Band von "Pick Up The Pieces" gefragt. Mit Matthias Scheurer wird an diesem Abend ein neuer Percussionist/Schlagzeuger vorgestellt, der an den Timbales selbstbewusst ein langes Solo hinlegt – wenn so etwas nicht zur Lockerung der Atmosphäre beiträgt, was dann? Spätestens nach der gut gelaunten Liebeslied-Strecke samt interessanter Version des Volksliedes „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ vom Chor steht fest: Jung, frisch, dynamisch und so bunt wie die T-Shirts der „vocal resources“, das war das Motto des Abends! Anneke Brüning |
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